Von Luka Zupan Ratgeber

Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller in Europa: Arten, Mindestmengen, Zertifikate (2026)

Kurz gesagt

Hersteller für Nahrungsergänzungsmittel lassen sich in drei Gruppen teilen: Lohnhersteller mit eigener Produktion, White-Label-Anbieter mit fertigen Rezepturen und Anbieter, die über Partner produzieren lassen. Für White Label aus bestehenden Rezepturen nennen Hersteller oft Mindestmengen von einigen Dutzend bis einigen Hundert Einheiten, für eine eigene Rezeptur häufig zehntausende Kapseln oder hunderte Kilogramm Pulver. HACCP ist für jeden Hersteller Pflicht; IFS, FSSC 22000 oder ISO 22000 sind freiwillige Standards, die der Handel oft verlangt. Den passenden Hersteller finden Sie über die Suche, B2B-Verzeichnisse und Fachmessen; vergleichen Sie Angebote immer für dieselbe Rezeptur, Menge und Leistung.

Sie wollen ein eigenes Nahrungsergänzungsmittel herstellen lassen und wissen noch nicht, welche Art von Hersteller zu Ihnen passt? Dieser Überblick erklärt, wie der Markt in Europa aufgebaut ist, welche Mindestmengen, Lieferzeiten und Zertifikate üblich sind und wie Sie Angebote so vergleichen, dass das Ergebnis aussagekräftig ist.

Welche Arten von Herstellern gibt es?

Drei Modelle, die sich in Mindestmenge, Tempo und Kontrolle über die Rezeptur unterscheiden:

ModellWas es istPasst, wenn
Lohnhersteller mit eigener ProduktionProduziert Ihre Rezeptur in eigenen Anlagen, oft mit Entwicklung, Analytik und Verpackung aus einer Hand.Sie eine eigene Rezeptur wollen und größere Mengen planen.
White-Label-AnbieterBietet fertige, erprobte Rezepturen, die Sie mit Ihrem Etikett verkaufen.Sie schnell und mit kleinen Mengen starten wollen.
Anbieter mit PartnerproduktionKoordiniert Entwicklung und Verpackung und lässt ganz oder teilweise bei Partnern produzieren.Sie viele Darreichungsformen aus einer Hand brauchen; fragen Sie, wer was herstellt.

Viele Hersteller bieten mehr als ein Modell an, etwa White Label für den Start und Private Label mit eigener Rezeptur für den nächsten Schritt. Den Unterschied der beiden Wege erklärt unser Beitrag White Label oder Private Label.

Welche Mindestmengen sind üblich?

Das hängt vor allem vom Modell ab. Aus den Angaben, die Hersteller auf ihren Websites veröffentlichen, ergeben sich grob diese Bereiche:

ModellÜbliche Mindestmenge
White Label aus bestehenden Rezeptureneinige Dutzend bis einige Hundert Dosen
Private Label mit eigener Rezepturvon einigen Hundert Dosen bis zu zehntausenden Kapseln
Industrielle Lohnfertigungzehntausende bis hunderttausende Kapseln oder Tabletten, hunderte Kilogramm Pulver

Achten Sie auf die Einheit: Manche Hersteller zählen Dosen, andere Kapseln, Kilogramm Pulver oder Liter. 150.000 Kapseln sind bei 60 Kapseln pro Dose 2.500 Dosen. Warum eine niedrige Mindestmenge für den Start wichtig ist, zeigt unser Beitrag zu Nahrungsergänzungsmitteln in kleinen Mengen.

Welche Zertifizierungen gibt es und was bedeuten sie?

  • HACCP: Pflicht für jeden Lebensmittelunternehmer nach Artikel 5 der Verordnung (EG) Nr. 852/2004. Ein eigenes Zertifikat ist dafür nicht vorgeschrieben, wird aber oft ausgestellt.
  • IFS Food, FSSC 22000, ISO 22000, BRCGS: freiwillige Standards für Lebensmittelsicherheit, die von unabhängigen Stellen auditiert werden. Der Lebensmittelhandel verlangt häufig einen davon.
  • GMP: gute Herstellungspraxis. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es kein gesetzlich vorgeschriebenes GMP-Zertifikat; fragen Sie, nach welchem Standard und von wem geprüft wurde.
  • Bio: nach der EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848, erkennbar an der Codenummer der Kontrollstelle, etwa DE-ÖKO-0xx. Nötig, wenn Sie ein Bio-Produkt verkaufen wollen.

Lassen Sie sich bei jedem Hersteller das aktuelle Zertifikat zeigen, mit Geltungsbereich und Gültigkeit. Der Geltungsbereich sagt, für welche Darreichungsformen und Standorte es gilt. Unabhängig von Zertifikaten sollte jede Charge mit einem Analysenzertifikat geliefert werden.

Wie lange dauert die Produktion?

White Label aus bestehenden Rezepturen ist meist in 1 bis 4 Wochen lieferbar, eine eigene Rezeptur braucht wegen Entwicklung, Rohstoffbeschaffung und Stabilitätsprüfung meist 4 bis 16 Wochen. Planen Sie zusätzlich Zeit für Etikett, Druck und, in Deutschland, die Anzeige beim BVL ein.

Wo finden Sie Hersteller?

  • Suche: Suchbegriffe wie „Lohnhersteller Nahrungsergänzungsmittel“ oder „White Label Supplements“ plus Darreichungsform, etwa Kapseln oder Pulver.
  • B2B-Verzeichnisse: Plattformen wie wlw oder europages listen Hersteller nach Land und Produkt.
  • Fachmessen: Die Vitafoods Europe ist eine der wichtigsten Fachmessen der Branche; 2027 findet sie vom 18. bis 20. Mai in Barcelona statt, und wir sind dort.
  • Empfehlungen: Designer, Labore und Logistiker, die für Supplement-Marken arbeiten, kennen die Hersteller aus der Praxis.

Wie vergleichen Sie Angebote fair?

  1. Gleiche Anfrage an alle. Dieselbe Rezeptur oder Wirkstoffliste, Darreichungsform, Dosen pro Charge und Verpackung.
  2. Leistung klären. Sind Etikett, Druck, Analysenzertifikat, Lagerung und Versand enthalten oder kommen sie extra?
  3. Preis pro Dose vergleichen, nicht den Gesamtpreis, und dabei die Mindestmenge im Blick behalten.
  4. Lieferzeit und Zahlungsbedingungen schriftlich festhalten, etwa Anzahlung und Restzahlung bei Lieferung.
  5. Muster anfordern, bevor Sie die erste Charge bestellen.

Welche Fragen Sie jedem Hersteller stellen sollten, steht in der Checkliste mit 10 Prüfpunkten und in den Fragen an Ihren Lohnhersteller. Sie haben schon einen Hersteller und wollen wechseln? Lesen Sie Lohnhersteller wechseln.

Spielt es eine Rolle, ob der Hersteller in Deutschland sitzt?

Rechtlich nicht, solange er nach EU-Lebensmittelrecht produziert und dokumentiert. Für den Verkauf in Deutschland zählen Etikett, Rezeptur und die Anzeige beim BVL, und diese Pflichten liegen bei Ihrer Marke, egal wo produziert wird.

Praktisch zählen Sprache, Erreichbarkeit und Lieferweg. Was vor dem ersten Verkauf zu tun ist, erklären die Beiträge zur Anzeige beim BVL, zu den Pflichtangaben auf dem Etikett und zum Novel Food Check.

Vita Supplements produziert in Ljubljana, Slowenien: White Label ab 300 Stück in 1 bis 4 Wochen, Private Label ab 500 Stück in 4 bis 8 Wochen, mit Analysenzertifikat für jede Charge. Fordern Sie ein unverbindliches Angebot an, Sie erhalten es innerhalb von 24 Stunden.

Über den Autor

Luka Zupan verantwortet Produktion und Qualität bei Vita Supplements in Ljubljana. Er begleitet seit über 15 Jahren die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln für den EU-Markt und berät Marken bei der Wahl der passenden Startmenge.


Häufige Fragen

Wie finde ich einen Hersteller für Nahrungsergänzungsmittel? +

Über die Suche mit Begriffen wie „Lohnhersteller Nahrungsergänzungsmittel“, über B2B-Verzeichnisse wie wlw oder europages und auf Fachmessen wie der Vitafoods Europe. Schicken Sie danach allen Kandidaten dieselbe Anfrage, damit die Angebote vergleichbar sind.

Welche Mindestmenge ist für den Start realistisch? +

Mit White Label aus bestehenden Rezepturen oft einige Dutzend bis einige Hundert Dosen. Eine eigene Rezeptur beginnt je nach Hersteller bei einigen Hundert Dosen oder bei zehntausenden Kapseln.

Welche Zertifizierungen sollte ein Hersteller haben? +

HACCP ist für jeden Lebensmittelunternehmer Pflicht. Standards wie IFS, FSSC 22000 oder ISO 22000 sind freiwillig, werden aber vom Handel oft verlangt; lassen Sie sich das aktuelle Zertifikat mit Geltungsbereich zeigen.

Ist ein Hersteller aus dem EU-Ausland ein Nachteil? +

Nein, solange er nach EU-Lebensmittelrecht produziert und dokumentiert. Für den Verkauf in Deutschland zählen Etikett, Rezeptur und die Anzeige beim BVL, nicht der Produktionsort.

Wie vergleiche ich Angebote von Herstellern? +

Schicken Sie allen dieselbe Anfrage, klären Sie, welche Leistungen enthalten sind, und vergleichen Sie den Preis pro Dose bei gleicher Menge. Fordern Sie vor der ersten Bestellung ein Muster an.

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